Ein Tigerleben



Vorwort

Über ein grundsätzliches Verhalten bei Tigern zu schreiben, ist immer schwierig. Viele Forscher wollen sich ein Problem nicht eingestehen: Sobald sie ein Verhaltensfragment festgestellt und pauschaliert haben, wird mindestens ein Tiger kommen und diese Feststellung widerlegen. Gerade diese Eigenwilligkeit macht den Tiger so interessant.


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Das typische Verhalten

Amur-TigerTiger sind hauptsaechlich nachtaktiv. Ausnahmen kennt man aus dem Ranthambore Nationalpark in Indien. Als 1972 das Projekt Tiger startete, beobachtete man wie die Tiger scheinbar ihre plötzliche Freiheit genossen.

Wohlbehütet durch den Park zeigten sie sich nun auch tagsüber. Des Weiteren leben Tiger streng territorial und sind, wenn es um Landbesitz geht, unerbittlich. Sie markieren die Grenzen mit Urin, um Kämpfe zu vermeiden. Auch schärfen sie ihre Krallen an Bäumen und hinterlassen dadurch ebenfalls Duftspuren. Nur wenn ein Tiger alt oder verletzt ist, kann es passieren, dass er von einem stärkeren Tier vertrieben wird. Diese Kämpfe können bis aufs Blut gehen. Friedlich zusammen leben eigentlich nur Tigerinnen mit ihrem Nachwuchs oder Paare waehrend der Paarungszeit. Man kann jedoch manchmal männliche Tiger beobachten, die ihren Nachwuchs bei der Mutter "besuchen". Ist der Nachwuchs aber nicht von ihm, tötet er manchmal die Kleinen, um seine eigenen Gene zu verbreiten, denn die Tigerin wird kurze Zeit nach dem Verlust ihrer Jungen wieder rollig.

Man könnte sagen, der Tiger ist "faul". Sein normaler Tagesablauf beinhaltet 16-18 Stunden Schlaf. Den Rest des Tages jagt er oder verteidigt sein Revier.


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Die Lebensräume

Tiger im WasserDer Tiger ist anpassungsfähig. Er hat sich über die Jahrhunderte von den kalten Gegenden Sibiriens, ueber den indischen Subkontinent, bis hin nach Indonesien verbreitet. Es waren vor einem Jahrhundert sogar Tiger im Osten der Türkei und am Kaspischen Meer zu finden. Am Letzteren wurden sie durch eine gewaltige Aktion zum Landgewinn bis auf den Letzten ausgerottet. Die einzelnen Unterarten erkennt man an Fellfärbung und Größe. Die größten sind die Amurtiger(Panthera tigris altaica). Sie haben auch das dickste und dichteste Fell, da sie im Winter Temperaturen von bis zu -50 Grad Celsius aushalten müssen. Ein Vertreter, bei dem es etwas wärmer ist, ist der bengalische Königstiger (Panthera tigris tigris). Er hält im Sommer bis zu 40 Grad Celsius aus. Sein Fell ist dünner und er ist etwas kleiner, als sein Vertreter aus dem Amur-Gebiet.

Man nimmt an, dass die Tiger ihren Ursprung in Sibirien haben. Das äußert sich in der Vorliebe der Großkatzen für das nasse Element. Tiger schwimmen für ihr Leben gern; in den Tropen ist dies auch unerlässlich für die Abkühlung. Sogar Paarungen finden ab und zu im Wasser statt. In Indien berichtet Valmik Thapar, ein großartiger Author von Tigerbüchern, von einem Männchen, dass sogar Axishirsche vom Ufer aus im Wasser jagte.

Der Tiger hat es sogar bis auf die indonesischen Inseln geschafft. Drei Vertreter kennt man: Den Sumatra-Tiger (Panthera tigris sumatrae), den Bali-Tiger (Panthera tigris balica) und den Java-Tiger (Panthera tigris sondaica). Die letzteren beiden sind ausgestorben, und vom Sumatra-Tiger existieren noch 200-250 Exemplare.


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Jagd und Nahrung

Die Nahrungspallette reicht beim Tiger von kleinen Nagetieren bishin zum Gaur, das das dreifache Gewicht des Tiger aufweisen kann. Er jagt jede Art von Hirschen, wilden Ziegen und kleinen Affen. Alle Beutetiere aufzuzählen würde die Homepage sprengen. Als Nahrungskonkurenten kann man hier hauptsächlich, je nach klimatischer Zone, Leoparden, Schneeleoparden und ein paar indische Löwen aufzählen.

Tiger schleichen sich bei der Jagd bis auf einige Meter an ihre Beute in geduckter Haltung und mit lautlosen Bewegungen heran. Meistens versuchen sie die Beute von hinten aus der Deckung zu überaschen. Im für ihn geeignetsten Augenblick prescht der Tiger auf sein Opfer zu, um es zu Boden zu reissen. Meistens tötet er größere Beute mit einem Biss ins Maul, um sie so zu ersticken. Bei Kleinerer hingegen versucht er sie durch einen Biss in die Kehle zu töten oder ihr das Genick zu brechen. Dann zerrt der Tiger sein Opfer meist in Wassernähe, um ein Teil zu fressen und etwas zu trinken. Manchmal ruht er sich auch aus, bevor er sich über die Beute hermacht. Was er nicht frisst, zerrt er in ein Versteck, um es später zu verzehren.

Tiger sind nicht immer erfolgreiche Jäger: Nur einer von zehn Angriffen ist erfolgreich. Verpasst er sein Opfer laeuft er noch 50 bis hundert Meter hinterher, bis er enttäscht aufgibt.


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Fortpflanzung

Paarende TigerTiger sind im Großen und Ganzen Einzelgaenger. Ausnahmen sind Tigerinnen mit Nachwuchs. Tiger kommen mit 3-5 Jahren in die Geschlechtsreife. Die Weibchen werden rollig, wenn sie gerade keine Jungen haben. Sie signalisieren ihre Bereitschaft mit Duftmarken an Bäumen und bestimmten Lauten. Männliche Tiger, meistens Reviernachbarn, folgen darauf diesen Zeichen. Wenn ein Männchen eine Duftmarke auffindet fängt er an eine Grimasse zu schneiden, die man Flehmen nennt. Dadurch kann er über ein Organ auf seinem Gaumen naeheres ueber seinen Artgenossen erfahren. Treffen beide Geschlechter innerhalb der 5-7 tägigen Hochbrunst der Tigerin aufeinander, nähern sie sich vorsichtig und prüfen die Situation. In der ersten Zeit verführt die Tigerin zwar den Tiger mit Liebkosungen, wie Lecken, Entlangstreifen an seiner Flanke und Aneinanderreihen der Köpfe, doch wehrt sie ihn bei Paarungsversuchen noch ab. Nach einiger Zeit schafft der Tiger allerdings die Tigerin, meist mit einem Nackenbiss, zu Boden zu drücken und sie mit halb eingeknickten Knien zu besteigen. Die Tigerin liegt bei dem Akt auf dem Bauch, das Hinterteil mit seitlich gebogenem Schwanz nach oben gerichtet. Nach 3-10 Sekunden erreicht der Tiger den Höhepunkt und beisst mit Grollen und Knurren in den Nacken des Weibchens. Damit versucht er sie zu beruhigen, da sie nach dem Akt oftmals aufspringt, um ihn mit der Pranke zu schlagen. Es liegt an einem schockhaften Schmerz, verursacht durch kleine Widerhaken auf dem Penis des Männchens. Das soll einen Eisprung bei der Tigerin auslösen. Tiger paaren sich während den 5-7 Tagen etwa alle 10-30 Minuten. Dies soll die Wahrscheinlichkeit einer Befruchtung zusätzlich erhöhen. Beides ist ein Indikator dafür, dass Tigerinnen einen Anreiz zur Ovulation benötigen. Dazu muss erwähnt werden, dass die ersten Paarungsversuche während der Rolligkeitsperiode erfolglos verlaufen können.

Tigermutter mit JungemNach ungefähr 110 Tagen werden meist 2-3 Junge, in seltenen Fällen auch mehr, in einem geschützten Versteck geboren. Anfangs werden sie von ihrer Mutter gesäugt und nur nachts alleine gelassen, damit die Tigerin auf die Jagd gehen kann. Die Jungen sind Anfangs noch blind und öffnen nach ungefähr 14 Tagen die Augen. Jetzt beginnen auch die ersten Zaehne zu wachsen. Mit acht Wochen bekommen sie von der Mutter kleine Fleischstückchen, jedoch säugt sie sie weiterhin. Nun verlassen sie auch schon mal das Versteck, um die Umgebung zu erkunden. Spielerisch wird alles beäugt. Nach sechs Monaten laesst die Tigerin ihre Jungen manchmal ueber mehrere Tage alleine, um auf Beutefang zu gehen. Im Alter von ungefähr acht Monaten verlieren die Kleinen ihre Milchzähne und bekommen das Dauergebiss.

Im Alter von fünf bis sechs Monaten gehen die Tiger das erste Mal mit ihrer Mutter auf die Jagd. Sie fängt die Beute und lehrt ihnen das Töten. Kleine Tiger können instinktiv schwimmen, jedoch zeigt sie ihnen auch wie man Flüsse und Strömungen durchschwimmt. Nach einem Jahr können die Jungen bereits selbst auf die Jagd gehen und mit zwei Jahren erlegen sie große Beute. Männchen verlassen mit drei, Weibchen mit fünf Jahren ihre Mutter, um sich eigene Reviere zu suchen und um sich fortzupflanzen.


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Der Lebenslauf im Überblick

Tiger werden mit knapp drei Jahren geschlechtsreif und verlassen mit drei bis fünf Jahren ihre Mutter.

Mit sechs Jahren erreichen sie die volle Körperreife.

Im Alter von 15-20 Jahren endet normalerweise das Tigerleben.


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